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Propolis Tinktur herstellen | Anleitung aus der Imkerpraxis

Propolis Tinktur Herstellung

Propolis Tinktur herstellen – Schritt-für-Schritt Anleitung aus der Imkerpraxis

Propolis zählt zu den wertvollsten Naturstoffe aus dem Bienenstock. Die harzige Substanz dient den Bienen zur Desinfektion, Abdichtung und zum Schutz ihres Volkes. Seit Jahrhunderten wird Propolis auch vom Menschen geschätzt.

Als Imkereibedarf-Shop mit eigener Imkerei arbeiten wir täglich mit genau den Materialien, die hier beschrieben werden. Die vorgestellte Herstellungsweise entspricht unserer eigenen Praxis – sowohl bei der Verarbeitung von Rohpropolis als auch bei der Herstellung unserer Propolis-Tinktur Tropfen.

1. Gewinnung des Propolis

Sammelpropolis aus dem Jahresverlauf

Während des Imkerjahres fällt Propolis an verschiedenen Stellen im Bienenstock an, unter anderem:

  • auf Oberträgern

  • an Rähmchen

  • an den Innenwänden der Beute

Dieses sogenannte Sammelpropolis kann abgekratzt werden, ist jedoch häufig stärker mit Wachs- und Holzpartikeln vermischt.

Wer keine eigene Imkerei betreibt oder nicht selbst Propolis sammeln möchte, kann Rohpropolis aus kontrollierter Imkerei auch direkt beziehen.

Die bessere Methode: Propolis-Gitter

Deutlich sauberer und effizienter ist der Einsatz von Propolis-Gittern als Abschluss über den Rähmchen. Die Bienen verschließen diese gezielt mit Propolis.

Praxisvorgehen:

  • Entnahme der Gitter vor der Varroa-Behandlung

  • anschließend tiefgefrieren

  • oder direkt im Winter verarbeiten

Durch die Kälte wird das Propolis spröde und lässt sich sehr sauber gewinnen.

Für die gezielte Gewinnung von hochwertigem Propolis haben sich Propolis-Gitter bewährt. Diese Methode nutzen wir auch in unserer eigenen Imkerei.

2. Propolis vom Gitter lösen

Das gefrorene Propolis-Gitter wird:

  • über eine feste Kante gebogen oder gezogen

  • alternativ vorsichtig geklopft

Das spröde Propolis springt dabei ab und kann sauber gesammelt werden.

3. Soll Propolis vor dem Ansetzen gemahlen werden?

Diese Frage wird häufig gestellt – in der Praxis hat sich jedoch Folgendes bewährt:

Die meisten Imker mahlen Propolis nicht fein, sondern verarbeiten es lediglich grob zerkleinert.

Warum das Mahlen nicht empfehlenswert ist:

  • Propolis ist bei Raumtemperatur sehr klebrig

  • Fein mahlen ist nur tiefgefroren möglich und aufwendig

  • Fein gemahlenes Propolis enthält mehr Wachsteilchen

  • Das spätere Filtern wird deutlich erschwert

  • Mörser oder Kaffeemühlen lassen sich kaum reinigen

👉 Grob zerkleinertes Propolis löst sich zuverlässig, benötigt lediglich etwas mehr Zeit.

Bewährte Praxis:
Propolis gefrieren → grob brechen (reiskorn- bis erbsengroß) → direkt ansetzen.

4. Ansatz der Propolis-Tinktur

Als Lösungsmittel dient hochprozentiger Alkohol, meist:

Ziel ist eine Propolis-Konzentration von etwa 20 %.

Da Rohpropolis immer auch Wachsanteile enthält, wird bewusst mit einem Sicherheitsaufschlag gearbeitet:

👉 Ca. 350 g Rohpropolis werden in Weingeist angesetzt, um später sicher über 20 % Wirkstoffgehalt zu liegen.

5. Reifezeit und Lagerung

⏳ Nach ca. 3 Wochen ist das Propolis vollständig gelöst.

Für die Lagerung und Abfüllung eignen sich braune Glasflaschen besonders gut, da sie das Propolis vor Licht schützen.

6. Filtern der Tinktur

Nach der Reifezeit wird die Lösung:

  • durch einen Kaffeefilter filtriert

So werden:

  • Wachsrückstände

  • feine Schwebstoffe
    zuverlässig entfernt.

7. Propolis-Gehalt bestimmen & 20 % einstellen

Ein entscheidender Schritt, der bei vielen Herstellern fehlt.

Vorgehensweise:

  1. Mit einer Pipette ca. 5 g der gefilterten Lösung entnehmen

  2. In eine Glasschale geben

  3. An einen warmen Ort stellen

  4. Nach 1–2 Stunden ist der Alkohol verdunstet

  5. Das verbleibende Propolis wiegen

So lässt sich der tatsächliche Propolisanteil exakt berechnen.

Für diese Kontrolle verwenden wir Pipetten, wie sie auch in unserer Imkerei zur Qualitätsprüfung eingesetzt werden.

Mein Tipp aus der Praxis:

  • Über 20 % → mit Weingeist verdünnen

  • Unter 20 % → problematisch, da erneut Propolis angesetzt werden müsste

 

8. Häufige Fehler bei der Propolis-Tinktur-Herstellung

  • zu niedriger Alkoholgehalt

  • ungefilterte Wachsrückstände

  • unkontrollierte Prozentangaben

  • Lagerung in klarem Glas

  • zu kurze Reifezeit

Diese Punkte führen häufig zu minderwertigen oder instabilen Tinkturen.

9. Eigene Herstellung oder fertige Propolis-Tinktur?

Die Herstellung einer hochwertigen Propolis-Tinktur erfordert:

  • sauberes Rohpropolis

  • Zeit und Geduld

  • sorgfältige Kontrolle

Nicht jeder hat die Möglichkeit, Propolis selbst zu gewinnen oder mehrere Wochen zu investieren.

Wer darauf verzichten möchte, kann auf unsere Propolis-Tinktur Tropfen aus eigener Imkerei zurückgreifen.
Diese werden nach genau der hier beschriebenen Methode hergestellt.

10. Lagerung & Haltbarkeit

  • Abgefüllt in braune Tropfflaschen

  • kühl und lichtgeschützt lagern

✅ Bei 20 % Propolisgehalt ist die Tinktur mehrere Jahre haltbar.

Qualität entsteht durch Sorgfalt

Eine hochwertige Propolis-Tinktur entsteht nicht durch Schnelligkeit, sondern durch:

  • sauberes Ausgangsmaterial

  • bewährte Imkerpraxis

  • ausreichende Reifezeit

  • exakte Prozentkontrolle

Wer diese Schritte einhält, erhält eine hochwertige, stabile und ehrliche Propolis-Tinktur, die sich klar von Massenware unterscheidet.

Hinweis: Die im Beitrag erwähnten und verlinkten Produkte stammen aus unserem eigenen Imkereibedarf-Sortiment und werden auch in unserer eigenen Imkerei verwendet.

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